Menschen, Länder, Traditionen
Da reise ich in der Weltgeschichte umher und erkunde fremde Kulturen. Beim Tango in Argentinien haben kleine Männer (große Machos) ihr Kinn in meinem Ausschnitt geparkt. Auf Bali sprangen nackte Körper in brennende Kokosnüsse, in Thailand ziehe ich mir die Schuhe im Restaurant aus und grüße Bhumibol andächtig.
Zurück in der Heimat sehne ich mich nach der Exotik und langweile mich mit meinen Riten, während ich auf geschmacklosen Lychees rumkaue.
Deshalb bin ich mal wieder verreist. Mit dem Ferienflieger. Nach Köln. Und ich muss sagen. Exotischer geht es kaum. Der gemeine Kölner ist nämlich überaus extravagent. Er scheint nicht zu arbeiten und trinkt ausschliesslich Kölsch. Er spricht eine Sprache, die mir fremd ist und kleidet sich sehr besonders. Ich habe einen Universum Maikäfer Kölner und einen Ureinwohner mit Diskokugelhut getroffen. Abends scheinen sich die Menschen vom Rhein in engen Läden zu treffen, in denen die Schweißausdünstungen die Fenster verhüllen und alle bewegen sich mehr oder weniger im Takt, zu mir fremder Musik von links nach rechts. Zuerst war ich etws verwirrt. Dann schockiert, später belustigt und ziemlich schnell fühlte ich mich sehr fremd. Da ich aber ein guter Tourist bin, passe ich mich an und versuche zu verstehen. Vier Kölsch bitte. Aber schnell. Schon wurde ich untergehakt. Da fiel mir auf, dass die Kölner seeehr viel Make up tragen. Ich vermute allerdings, dass das nichts mit ihren sexuellen Neigungen zu tun hat. Plötzlich bekam es mit der Angst zu tun, dass mir jemand mein Geld stehlen will. So wie ich das von Südamerika gewohnt bin.
Wollte aber keiner. Alle wollten einfach nur ” Schunkeln” Dass ist der rituelle Tanz der Nacht. Ich habe mal so getan, als würde ich mich auskennen, wollte mich ja auch nicht outen. Und nach 4 weiteren Kölsch und dem Synchronsingen ohne textlichen Inhalt wurde mir etwas wärmer.
Plözlich kamen mehrer Ureinwohner und küssten mich einfach so aus dem nichts auf die Wange. An dieser Stelle möchte ich hinzufügen, das ich mich selbstverständlich den Gegebenheiten optisch angepasst habe und nicht sonderlich attraktiv oder aufreizend gekleidet war.
Zu späterer Stunde finde ich mich in einem mit Silberfolie und Luftschlangen geschmückter Eckkneipe wieder. Mein Makeup verwischt. Die Augen glasig singe ich in einer fremden Sprache: “Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin”. Den Rest des Abends habe ich vergessen.
Typischer Kölner. In diesem Fall ein Alternativer.
Die Religion wird in Nordrhein Westfalen groß geschrieben. Allerdings trinken die Mönche hier auch Bier.

Zum Glück habe ich dann doch noch jemanden aus der Heimat getroffen.
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